WESPEN: Die unterschätzten Helfer in unseren Gärten

Wespen verstehen statt fürchten

Die unterschätzten Helfer in unseren Gärten & Balkonen

Wespen haben keinen guten Ruf. Sie umkreisen uns, interessieren sich für unser Essen oder Getränk und wirken oft aufdringlich. Eigentlich möchte man im Sommer einfach nur seine Ruhe haben.

Zwischen März und Mai tauchen dann auch noch die großen Wespenköniginnen auf und sind auf der Suche nach einem geeigneten Platz für ihr Nest. Egal ob auf Balkonen, Terrassen oder im Garten. Das verunsichert viele Menschen.
Ich selbst hatte einmal eine Wespe, die immer wieder versuchte, in einer braunen Decke ein Nest zu bauen. Sie gab nicht auf. Am Ende habe ich die Decke entfernt.
Also ja…Wespen können wirklich nervig sein.

Aber warum brauchen wir sie überhaupt?

 

Warum Wespen wichtig sind: Ihre Lebensweise & Ernährung

Wespen sind wichtige Insektenjäger. Die Larven werden ausschließlich mit Insektenfleisch gefüttert. Besonders Fliegenarten stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan, aber auch Raupen oder kleinere Heuschrecken werden erbeutet. Damit regulieren Wespen ganz natürlich andere Insektenpopulationen.

Ausgewachsene Wespen hingegen lieben es süß. Sie ernähren sich von Blütennektar, Honigtau und reifem Fallobst. Dadurch sind sie auch Bestäuber. Besonders angeschlagene oder überreife Früchte werden von Wespen schnell zersetzt und wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt.

Doch Wespen sind nicht nur Jäger, sie sind auch selbst Beute. Vögel, Amphibien, Hornissen, Käfer, Spinnen und manchmal sogar Fledermäuse ernähren sich von ihnen. Sie sind somit ein wichtiger Teil der Nahrungskette.

Ein Rückgang der Wespen weist oft auf einen Verlust an Lebensräumen hin. Fehlen Insekten und Nahrungspflanzen, verschwinden auch ihre Gegenspieler wie Wespen. Wespen gelten daher als Bioindikatoren für ein funktionierendes Ökosystem (auch im urbanen Raum).

 

Welche Pflanzen Wespen anziehen

Grundsätzlich gilt: Jede Pflanze, die Insekten wie Fliegen anzieht, zieht auch Wespen an. Sie patrouillieren nämlich gezielt auf der Suche nach Protein für ihre Larven.

Aber für die eigene Nahrungsaufnahme bevorzugen erwachsene Wespen Nektar von leicht zugängliche Blüten. Besonders beliebt sind Doldenblütler, bei denen der Nektar offen an der Oberfläche liegt, zum Beispiel:

  • Schafgarbe
  • Wilde Möhre
  • Distel

Als eine der ersten Nektarpflanzen im Jahr wird der Schlehdorn von Wespenweibchen angenommen. (Frühjahrsblühende Pflanzen sind sehr wichtig mitzudenken in der Pflanzplanung)
Die Französische Wespe besucht besonders gerne Schwarzkümmel sowie die Blüten des Roten Hartriegels.

Es gibt sogar spezielle „Wespenblumen“ mit weiten Blütenöffnungen, bei denen die Wespe ihren Kopf hineinstecken und den Nektar mit ihrer vorgestreckten Zunge erreichen kann.

Auch Blattläuse spielen eine Rolle: Sie gelten zwar als Pflanzenschädlinge, sondern aber Honigtau ab, der von Wespen, ebenso wie von Ameisen, sehr geliebt wird.

 

Wespen und ihr Nest

In den Brutzellen eines Wespennestes wird stets ein kleiner Tropfen süßer Nahrung als Vorrat für schlechte Zeiten abgelegt. Sehr junge Larven erhalten zunächst flüssige Nahrung, bevor sie später mit Insektenprotein versorgt werden.

Dieses Protein bringen die Sammlerinnen in Form kleiner, zerkauter Fleischbällchen ins Nest. Hungrige Larven machen durch feine Geräusche auf sich aufmerksam, so wissen die Arbeiterinnen genau, wo Futter benötigt wird.

Doch nicht nur die Larven haben Hunger: Auch die Stockgenossinnen werden versorgt. Die Sammlerinnen bringen dafür Nektar mit, den sie in ihrem Kropf speichern und transportieren.

Wespennester werden bevorzugt in geschützten Bereichen gebaut zB. in Erdhöhlen, in überhängendem Wurzelwerk, in Vogelnistkästen, Bienenbeuten oder an Gebäudegiebeln. Manche Arten nisten frei an Ästen oder unter Bäumen. Diese Nester erkennt man an ihren kugeligen, grauen „Papierballons“.

Ein Wespennest ist ein hochorganisiertes, soziales System. Es ist effizient, arbeitsteilig und erstaunlich komplex aufgebaut.

 

Friedlich mit Wespen zusammenleben

Kein Tier mag es, weggewedelt oder angepustet zu werden. Schon gar nicht, wenn versucht wird, es zu töten. Ganz ehrlich: Das würde uns auch aggressiv machen.

Wespen sind in der Regel nicht angriffslustig. Sie suchen schlicht nach Futter.

Du kannst das Zusammenleben deutlich entspannen, indem du:

  • geeignete Pflanzen (z. B. Doldenblütler) anbietest
  • Wassertränken im Garten oder auf dem Balkon aufstellst
  • Fallobst an einen ruhigen Ort legst, wo sie ungestört fressen können
  • Getränke lassen sich abdecken oder mit einer kleinen Honigwasser-Schale in etwas Abstand umlenken
  • Wenn Wespen sich für deinen Frühstücksschinken interessieren, hilft oft ein kleines Stück Fett in einiger Entfernung, dann sind sie zufrieden und lassen dich in Ruhe       

 

Auch Wespen brauchen unseren Schutz

Wespen sind Nützlinge mit einer unersetzbaren Rolle im Ökosystem. Sie sind faszinierende, soziale Wesen und Teil einer Artenvielfalt, die es zu schützen gilt.

Mit den richtigen Pflanzen und Wasserstellen kannst du ihnen Lebensraum bieten, auch auf kleinen Balkonen oder in Gärten.
Wer Wespen beobachtet und versteht, lernt sie nicht als Feind, sondern als wertvollen Teil der Natur kennen.

Lass uns Balkone und Gärten so gestalten, dass Vielfalt wieder Platz hat. Für Menschen, Pflanzen und auch für Wespen.

Quelle: Prof. Dr. Friedrich Schremmer (2002): Wespen und Hornissen. Westarp Wissenschaften-Verlagsgesellschaft mbH.

franz. Feldwespe